Endometriose und gynäkologische Onkologie

Forschungsschwerpunkte:

• Pathophysiologie der Endometriose und der damit verbundenen Schmerzen

• Pathophysiologie gynäkologischer Krebserkrankungen

Projektbeschreibung:

Endometriose ist eine äusserst häufige Erkrankung, die von chronischen Schmerzen, verminderter Fruchtbarkeit und einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs im späteren Leben begleitet wird, die alle mit Entzündungen zusammenhängen können. Die am weitesten verbreitete Theorie der Entwicklung endometriotischer Läsionen ist die retrograde Menstruation, ein Prozess, bei dem lebensfähige Endometriumzellen rückwärts in die Bauchhöhle zurückfliessen. Diese Zellen heften sich an das darunter liegende Gewebe und wachsen über eine hormonelle und entzündliche Stimulation weiter. Da gezeigt wurde, dass bei fast 90% der Frauen eine retrograde Menstruation auftritt, müssen zusätzliche Faktoren beteiligt sein, die die Anhaftung des Endometriumgewebes bei Patientinnen mit Endometriose unterstützen. Bis heute sind diese Faktoren noch nicht vollständig identifiziert. Endometriose ist eine solche gutartige Erkrankung, die jedoch leider mit bestimmten Subtypen von Eierstockkrebs assoziiert ist, wie z. B. Subtypen von klarzelligen und Endometrioidkarzinomen (auch als Endometriose-assoziierte Ovarialkarzinome, EAOC, bezeichnet). Die direkte Transformation von endometriotischen Epithelzellen zu einem malignen Endometrioid oder klarzelligem Eierstockkrebs wurde dokumentiert, obwohl unklar ist, was diese Transformation stimuliert.
In unseren Studien analysieren wir Proben wie Endometriumgewebe (eutopisch und ektopisch), Körperflüssigkeiten (Blut, Peritonealflüssigkeit), um die biologischen Grundlagen für die Endometriose selbst, aber auch die mit Endometriose verbundenen Schmerzen, Fruchtbarkeitsverlust und Onkogenese besser aufzuklären. Die Stärke unserer Forschung liegt in der grossen Anzahl von Proben, die aus der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie der Universität Bern entnommen und unter der grossen Beteiligung der Ärzte und Ärztinnen und der grosszügigen Zustimmung der Patientinnen ständig in unserer Biobank gesammelt werden. Durch unseren Ansatz hoffen wir, dass diese Studien letztendlich neben anderen wissenschaftlichen Vorteilen die Diagnose verbessern und die Symptome zum allgemeinen Nutzen der Lebensqualität des Patienten reduzieren.

Highlights:

Progesteronresistenz bei Endometriose

Dienogest ist eine der vielversprechenden Optionen für die langfristige hormonelle Behandlung der Endometriose. Durch die Analyse der Prävalenz somatischer Mutationen, der Zellzusammensetzung oder des transkriptomischen Profils zwischen endometriotischen Läsionen von Non-Respondern wollen wir den Mechanismus der Dienogest-Resistenz, der bei mehreren Patientinnen auftritt, aufdecken. (Nirgianakis K., McKinnon B.)

Endocannabinoidsystem (ECS) bei Endometriose

Der Cannabinoidrezeptor CB1 befindet sich auf sensorischen Fasern, die das ektopische Wachstum innervieren, was darauf hindeutet, dass das ECS den Schmerz moduliert, indem es lokal in der Bauchhöhle wirkt. Wir haben die Endocannabinoidspiegel in Seren und Peritonealflüssigkeiten quantifiziert und 2-AG als möglichen Schmerzmodulator bei Endometriose identifiziert. (Andrieu T., Chicca A.)

Übergang von Epithel zu Mesenchym (EMT) bei Endometriose

Während des EMT-Prozesses erwerben Epithelzellen Merkmale von mesenchymalen Zellen, die ihre Proliferations-, Migrations- und Infiltrationsraten beeinflussen. Der Haupt-EMT-Marker, N-Cadherin, wurde in Epithelzellen eines Grossteils des ektopischen Gewebes nachgewiesen. Interessanterweise fehlte den Zellen, die diesen Übergang durchliefen, auch der Progesteronrezeptor. Dieses Ergebnis wurde in vitro in der Endometriumkarzinom-Zelllinie rekapituliert. Unsere Studie hat einen wichtigen Zusammenhang zwischen EMT und Progesteronresistenz im Einklang mit der Pathogenese der Endometriose identifiziert. (Lijuan M., McKinnon B.)

Endometriumkarzinom (EmCa) mit Sentinel-Lymphknotendissektion

Im Frühstadium bietet die Entfernung von EmCa-Sentinel-Lymphknoten ein überzeugendes Gleichgewicht zwischen onkologischer Sicherheit und perioperativer Morbidität. Die Invasion des lymphovaskulären Raums kann jedoch einen Risikofaktor für ein Wiederauftreten darstellen, weshalb eine vorherige Bewertung der Lymphknoten von entscheidender Bedeutung ist. (Imboden S. et al., Eur. J. Surg. Oncol. 2019)

POLE-mutierter Endometriumkarzinom (EmCa)

Durch die Analyse molekularer Marker auf EmCa konnten wir zeigen, dass Mutationen in der Exonuklease-Domäne des DNA-Polymerase-Epsilon (POLE) -Gens signifikant mit bisher unbekannten klinisch-pathologischen Merkmalen assoziiert sind. Insbesondere bei der Betrachtung von Hotspot-Mutationen war die Prognose für Patienten mit Mutation im Vergleich zu Patienten mit nicht mutierten Tumoren signifikant besser. (Imboden S. et al., PLoS One. 2019)

Zentrale Überempfindlichkeit, Immunmarker und morphologische Veränderungen des Gehirns bei chronischen Beckenschmerzen (CPP) bei Endometriose

CPP, das als periphere Erkrankung wahrgenommen wird, ist in der Tat mit signifikanten zentralen Veränderungen verbunden. Ein Verständnis der Mechanismen der zentralen Überempfindlichkeit und der morphologischen volumetrischen Gehirnveränderungen, d. H. Der funktionellen Reorganisation des Kortex, kann eine frühzeitige Schichtung für die Behandlung von Personen mit hohem Risiko für persistierende CPP ermöglichen. Obwohl zentrale Überempfindlichkeit, werden Immunmarker und kürzlich morphologische Gehirnveränderungen als wichtiger Weg erkannt ophysiologische Schmerzmechanismen. Das Ziel unserer Untersuchung ist es, den prädiktiven Wert von Überempfindlichkeitsparametern und volumetrischen Gehirnveränderungen im Operationsergebnis bei Endometriose-Patienten mit CPP zu untersuchen. (Neziri, AY)

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